24.10.2006 Frankfurter Neue Presse - Stadt und Terramag unterzeichnen Vertrag für Schleichenbach II
Seit zwölf Jahren wird gebaut – in den Köpfen
Usingen - „Es war Zufall, dass ich just an diesem Abend bei dieser Sitzung war“, erinnert sich Heinz Dienstbach, Sprecher der Grundstückseigentümer des Gebietes Schleichenbach II, noch genau an den 14. November 1994. Seither diskutierten, beschlossen und verwarfen die Stadtpolitiker das Projekt Schleichenbach II immer wieder. Gestern, nach zwölf Jahren, stand ein wichtiger Schritt in Richtung Bebauung an, nämlich die Vertragsunterzeichnung zwischen der Stadt und der Firma Terramag, einer Gesellschaft für Stadtentwicklung und Bodenmanagement (siehe weiterer Text).

Grund genug, im Gespräch mit Heinz Dienstbach auf die bisherige Entwicklung zurückzublicken: 1994 hatte die Stadt beschlossen, eine städtebauliche Entwicklung für das Baugebiet Schleichenbach II vorzubereiten. Die Idee war aber bereits in den 70er Jahren entstanden. Damals, unter SPD-Bürgermeister Herrmann Krönung, sei die Idee entstanden, ein neues Baugebiet am Schleichenbach auszuweisen. „Aber bis zum Machtwechsel 1979 hat sich da nichts getan“, sagt Dienstbach. Erst unter Rolf Eggebrecht (CDU) sei Schleichenbach I dann bebaut worden. „Das ist fast eine Wiederholung“, sagt Dienstbach. „Mit Schleichenbach II ist das doch auch nicht anders gelaufen“, so der Sprecher.
Von Schleichenbach II war damals allerdings noch keine Rede. Das kam erst mit Bürgermeisterin Eva-Maria Tempelhahn (SPD) 1994 auf, die nach nur einem Jahr Amtszeit einen entsprechenden Beschluss auf den Weg brachte. „Da spielen wir nicht mit“, so die Aussage der Eigentümer, die sich 1994 zusammenschlossen und Heinz Dienstbach zum Sprecher wählten.
Zum eigentlichen Beschluss, das Gebiet als Bauland zu entwickeln, kam es allerdings erst einmal nicht. Denn immerhin 22 Million Mark hätte die Stadt Usingen bei der Umsetzung eines Beschlusses binnen eines Jahres an die Grundstückseigentümer zahlen müssen. Im Gespräch waren damals 100 Mark pro Quadratmeter.
Am 20. März 1995 wollte die Stadt die Eigentümer bei einer Bürgerversammlung dazu bewegen, zuzustimmen. Doch die Eigentümer lehnten ab. „Es hatte niemand etwas zu verschenken, und der angesetzte Preis war einfach zu niedrig“, sagt Dienstbach. Im Jahr 2003 beauftragte die Stadt eine Firma, Gespräche mit den Eigentümern zu führen. „Der Bauausschuss beschloss damals, dass die Stadt selbst Grundstücke zum Preis von 105 Euro kauft“, sagt Dienstbach. Zudem rief man den Gutachterausschuss des Kreises an, der die Preise auf 320 Euro für den fertigen Bauplatz und 165 Euro für das Bruttoland festlegte.

Am 30. April 2004 handelte Bürgermeister Matthias Drexelius (CDU) den Preis von 270 beziehungsweise 105 Euro mit den Eigentümern aus. Die erste Abfrage hatte ergeben, dass etwa 50 Prozent der Eigentümer verkaufen wollten, „nun waren es auf einmal rund 80 Prozent“, zeigte sich Dienstbach erstaunt. Der Grund waren offenbar fallende Grundstückspreise.

Eine neue Eigentümerversammlung 2005 ergab, dass die Anlieger auch einverstanden wären, wenn die Stadt das Geld für die Ankaufsfläche in drei Raten zahlt. Aber die Parlamentarier erteilten auch diesem Vorhaben eine Absage. Das ganze Projekt stand auf der Kippe, bis zum Mehrheitswechsel nach der jüngsten Kommunalwahl. Die CDU will nun Schleichenbach II zum Abschluss bringen, am 11. Oktober hat der Haupt- und Finanzausschuss sein Okay gegeben.
(tas)

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